Klimarecherche: Am Puls der Erde

„Ein ungewöhnliches journalistisches Experiment.“ - Der Journalist

Liebe Freundinnen, liebe Kolleginnen*,

Anfang diesen Jahres sind wir aufgebrochen, Raphael Thelen und Theresa Leisgang, um der Erde den Puls zu fühlen. Unser Plan: Von Südafrika bis in die Arktis ein mal quer durch alle Klimazonen reisen und die Menschen treffen, die schon heute von der Klimakrise getroffen werden.

Warum? Weil wir Angst vor der Zukunft hatten, wissen wollten, was auf uns zukommt und was zu tun ist, und ja – ob es Hoffnung gibt.

Seitdem haben wir mehr gelernt, mehr inspirierende Menschen getroffen, uns öfters berühren lassen, als sich in dieser Email aufschreiben lässt. Unsere Leben haben sich grundlegend verändert. Auch wegen Corona.

Als das Virus sich ausbreitete, weltweit immer mehr Grenzen zu gingen, mussten wir die Reise unterbrechen. Und wir taten etwas, was wir lange vermieden hatten: Statt uns die Geschichten anderer Menschen anzuhören, setzten wir uns mit uns selbst auseinander. Wir fragten uns, wie krisenfest unser Leben eigentlich ist und welchen Anteil wir an einem System haben, das dazu führt, dass unzählige Arten aussterben, Wälder brennen, die Polkappen schmelzen.

Wir sind es langsam angegangen, haben uns mehrere Monate Zeit gelassen, weil es teils schmerzhaft war so in den Spiegel und die eigenen Abgründe zu blicken. Doch wir haben das Gefühl, der Welt seitdem ehrlicher entgegentreten zu können, wir fühlen uns freier, leichter.

Als die Fallzahlen im Sommer zurückgegangen sind, haben wir – in enger Absprache mit beratenden Ärztinnen – die Reise fortgesetzt. Was Corona an Leid produziert, ist nur ein Bruchteil dessen, was uns durch die Klimakrise droht – das zu kommunizieren, ist unsere Aufgabe als Medienmacherinnen, weshalb wir auch diesen offenen Brief für eine andere Klimaberichterstattung unterzeichnet haben.

Jetzt sind wir auf der letzten Recherche-Etappe in der Arktis, wo die Temperaturen weltweit am schnellsten steigen, gleichzeitig erleben wir hier auch nochmal die überwältigende Schönheit der Welt: Gestern abend haben wir zum ersten Mal Nordlichter direkt über unseren Köpfen tanzen sehen.

Ab Oktober sind wir wieder in Berlin und fangen an alles aufzuschreiben, was wir erlebt und gelernt haben. Nächstes Jahr erscheint im Goldmann-Verlag das Buch zur Reise: Zwei am Puls der Erde.

Wir halten euch gerne darüber auf dem Laufenden, schreibt sonst aber kurz, falls ihr keine Updates mehr bekommen wollt.

In der Zwischenzeit findet ihr uns auf Instagram, könnt im Medium Magazin die Hintergründe unserer Reise nachlesen, im Klamroth Calling-Podcast hören, wie Corona unsere Reise beeinflusst hat, oder uns eine Mail schicken, falls ihr Fragen, Ideen und Anregungen habt. Für uns ist es die größte Reise unseres Lebens. Und wir haben das Gefühl, dass sie noch längst nicht zu Ende ist.

Liebe Grüße,

Theresa & Raphael

www.puls.earth

PS:

*Aus Gründen der Lesbarkeit verwenden wir das generische Femininum, hoffen aber, dass sich alle Menschen ungeachtet ihrer geschlechtlichen Identität darin wiederfinden können.
**Das einführende Zitat stammt aus der aktuellen Ausgabe des Magazins Journalist, in dem ausführlich über unsere Reise berichtet wird.

Polarlichter in der Arktis, September 2020