Am Puls der Erde #4 - Frauen-Solidarität

Neuigkeiten aus der Krise von Raphael Thelen & Theresa Leisgang

Es gibt so Punkte im eigenen Leben, an denen trifft tiefe Erschöpfung auf große Freude und die beiden gleichen sich fast vollständig aus; nichts scheint in einem solchen Moment so richtig wichtig, alles fühlt sich ein bisschen an wie in Watte gepackt, und man will nichts tun, als in der Sonne zu liegen, Ruhe genießen. An so einem Punkt sind wir gerade. Wir haben das Manuskript für unser Buch abgegeben, es befindet sich derzeit in der Herstellung und wir haben Glück  ­– es scheint die Sonne.  

Wir hatten uns seit Weihnachten für die Schreibphase zurückgezogen, uns weitgehend von der Welt abgeschottet, um uns konzentrieren zu können. Aber natürlich hat auch uns immer wieder erreicht, wie die multiplen Krisen der Welt eskalieren. Corona dominiert die Schlagzeilen, und gleichzeitig macht die Klimakrise keine Pause.  

Am 23. Januar zog Zyklon Eloise über die mosambikanische Küstenstadt Beira hinweg, zerstörte Häuser, vernichtete Ernten. Mehrere Menschen verloren ihr Leben. Unvorstellbar, wie das für die Familien vor Ort sein muss: Erst zwei Jahre zuvor hatte einer der schlimmsten Zyklone seit Beginn der Wetteraufzeichnungen die Stadt und ihr Umland verwüstet, schätzungsweise drei Millionen Menschen waren betroffen. Das selbstorganisierte, feministische Frauennetzwerk GMPIS leistete damals Nothilfe, denn Frauen leiden wegen ihrer gesellschaftlichen Position oftmals stärker unter Naturkatastrophen als Männer.

Auf unserer Reise im vergangenen Jahr haben wir bei Antonia Teixeira Chikono, einer der Frauen von GMPIS, gewohnt. Sie erzählte, wie sie mithilfe eines internationalen Crowdfundings Geld einsammelten, und es dahin brachten, wo es am dringendsten gebraucht wurde: sie unterstützen Witwen, Frauen mit körperlicher Behinderung, bauten das Haus eines 16-jährigen Mädchens wieder auf, dessen Vater im Sturm umgekommen war – ohne die Hilfe von GMPIS wäre sie wahrscheinlich gegen ihren Willen verheiratet worden. Jeden Schritt, den sie dabei unternahmen, fußte auf gegenseitiger Solidarität. Die Frauen fanden Sicherheit, Unterstützung und Trost in ihrer Community. „Das hat den Frauen gezeigt”, sagt Antonia, „dass Geld nicht das Wichtigste ist.”

Und doch ist Geld natürlich wichtig, und anders als nach dem Zyklon vor zwei Jahren fehlt dieses Mal die internationale Medienaufmerksamkeit und die Unterstützung aus jenen Ländern, die die Klimakrise verursachen.

Anlässlich des internationalen Frauentags wollen wir deshalb am 8. März um 20 Uhr von der Situation in Mosambik berichten und euch vielleicht einen kleinen Sneakpeak aufs Buch geben. Ihr könnt gerne auf Instagram mit dabei sein und auch einen Soli-Beitrag zum Moneypool beitragen, das Geld werden wir GMPIS direkt schicken.

Für uns ist dieser Abend auch eine Art, Antonia und den anderen Frauen Danke zu sagen: Während unserer Zeit bei ihr haben wir gelernt, wie stark Gemeinschaft uns in Krisenzeiten macht – eine Lektion, die in Zeiten wie diesen, vielleicht wichtiger nicht sein könnte.

Alles Liebe und bis dahin,

Theresa & Raphael